Podemos und Katalonien: Eine radikale Protestpartei lernt das Taktieren

Pablo Iglesias, der neue linke Shootingstar am spanischen Politfirmament, nimmt sich sonst kein Blatt vor den Mund. So lässt er etwa Angela Merkel ausrichten, sie solle gefälligst bei den Wahlen antreten, wenn sie in Spanien regieren wolle. Und mit seinem Unbehagen über fremde Soldaten auf spanischem Boden rechtfertigt er gleich einen NATO-Austritt. Nur wenn es um Kataloniens Selbstbestimmungsrecht geht, werden seine Aussagen seltsam zahnlos.

Spaniens traditionelle Linke hat abgewirtschaftet

Der kometenhafte Aufstieg der linken Protestpartei Podemos ist eng verknüpft  mit dem Niedergang der traditionellen spanischen Linken. Wo in den letzten Monaten ein spanischer Richter in einem Korruptionssumpf zu stochern begann, kam oftmals heraus, dass konservative, sozialistische, mitunter sogar kommunistische Gewerk-schaftsfunktionäre sich einträchtig an üppigen Kommissions-, Subventions- und Spesentöpfen bedient hatten.

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Podemos vor PP und PSOE, angefacht vom Zorn der Bürger

So wundert es mittlerweile niemand mehr, dass Podemos in einigen Umfragen in der Wählergunst sogar an erster Stelle liegt. Spaniens krisengeschüttelte Bevölkerung will nicht mehr länger zusehen, wie die beiden Großparteien PP und PSOE sich den Staat und seine Pfründen einmütig untereinander aufteilen. Sie haben das Vertrauen in einen Staat verloren, der Banken vor der Pleite, aber nicht Menschen vor der Delogierung rettet.

Podemos –  Sprachrohr der Empörten

pablo iglesias podemos(4)Millionen enttäuschter Wähler und Wählerinnen suchen nach einem Sprach-rohr, das ihrer Empörung endlich eine Stimme verschafft und laufen Podemos in Scharen zu, zumal ihr Leader Pablo Iglesias in den Polit-Talkshows des spanischen Fernsehens omnipräsent ist und niemand so virtuos wie er auf dem Medienklavier sämtliche Stückchen spielt.

Parteileader Iglesias taktiert in Sachen Katalonien

Auch in Katalonien wird derzeit darüber spekuliert, wie sich Podemos’ scheinbar unaufhaltsamer Aufstieg auf die katalanische Parteienlandschaft auswirken wird. Das wird auch davon abhängen, wie sich Podemos in der katalanischen Frage positionieren wird. Und so kam es für viele katalanische Sympathisanten überraschend, dass am 7. November, also zwei Tage vor der Bürgerbefragung, der Podemosvillarejo-podemosSpitzenmandatar Carlos Jímenez, ein pensionierter Richter, dessen Verdienste um die Korruptionsbekämpfung unbestritten sind, in der Tageszeitung El Pais einen Kommentar unter der Überschrift “Eine undemokratische Volksbefragung” veröffentlichte. Ein sonderbarer Vorwurf von einer Partei, die sich die Basisdemokratie auf ihre Fahnen geschrieben hat. Dass Podemos in diesen Tagen einen Schnellsiedekurs in Sachen Taktieren absolviert zu haben scheint, untermalt die vorgestrige Aussage von Parteileader Pablo Iglesias in einem Radiointerview, in dem der Politrebell kreuzbrav erklärte, dass Katalonien nicht die Kompetenz dazu habe, einseitig seine Unabhängigkeit zu erklären. Iglesias, nach eigenem Bekunden ein spanischer Patriot, ist also in dieser Frage Pragmatiker genug, um zu wissen, dass ein klares Bekenntnis zu Kataloniens Selbstbestimmungsrecht seiner Partei in Spanien viele Stimmen kosten wird. Einmal mehr zeigt sich wieder, dass in Sachen Katalonien Spaniens Linke und Rechte stets am selben Strick ziehen.

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